Die Institution Schule steht in der Verantwortung, die digitalen Medien im Unterrichtsgeschehen zu integrieren. Mit der Einführung des neuen Rahmenlehrplans zum Schuljahr 2017/18 wird auch die Berücksichtigung des „Basiscurriculums Medienbildung“ verbindlich. Damit ist ausdrücklich mehr als die Vermittlungsoptimierung des Unterrichts durch Medien gemeint. Um die umfassenden Ziele der Medienkompetenzvermittlung auch tatsächlich in den Schulalltag zu implementieren, bedarf es konkret formulierter Ziele und Standards.

Frage 5
Welche Vorschläge haben Sie, um die Implementierung des Basiscurriculums im Alltag der Schulen sicher zu stellen? Welche Vorschläge haben Sie, um Lehrerinnen und Lehrer in der Umsetzung der fachintegrativen Medienbildung zu unterstützen? Welche Rolle spielen dabei aus Ihrer Sicht außerschulische Partner und wie könnte deren Rolle gestärkt werden?

Der Berliner „Rahmenlehrplan für Unterricht und Erziehung“ an den Staatlichen Fachschulen für Sozialpädagogik – gültig seit Schuljahr 2011/2012 – berücksichtigt im „Lernbereich I: Kommunikation und Gesellschaft“ im „Themenfeld 3: Kulturarbeit leisten“ auch das Thema Medien. Hierbei geht es einerseits um die eigene Medienkompetenz der künftigen Pädagoginnen und Pädagogen aber andererseits auch darum, diese Kindern und Jugendlichen zu vermitteln. Als Inhalte des insgesamt 100 Stunden umfassenden Themenfelds werden in Bezug auf Medien genannt:

  • Medien und Medienverbundsysteme, Medienwahrnehmung, Medienwirkung, Mediensozialisation
  • Medien im Bildungsprozess
  • Kommunikations- und Medientechnik in der sozialpädagogischen Arbeit.

Da es sich um eine Querschnittsaufgabe handelt, sind die Verbindungen zu anderen Lernbereichen einzubeziehen. Pädagoginnen und Pädagogen stehen im Land Berlin eine Reihe von medienpädagogischen Fortbildungen offen. Beispielhaft sei hier das Berliner Fortbildungsprogramm von „BITS 21“ im Rahmen des Landesprogramms „jugendnetz-berlin“, das von der „WeTeK gGmbH“ und dem „Förderverein für Jugend- und Sozialarbeit e.V.“ organisiert wird, genannt. Die beiden Träger bieten ein umfangreiches und bedarfsorientiertes Programm an, das durch den Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Das „Fachprofil Medienbildung“ beispielsweise umfasst 250 Stunden, qualifiziert berufsbegleitend und schließt mit einem Zertifikat für die Teilnehmenden ab. Für einen Ausbau von Schulungsmaßnahmen gibt es derzeit keine Notwendigkeit.

Die CDU hat unsere Wahlprüfsteine nicht beantwortet. Schade.

 

Grundsätzlich ist es wichtig, ein abgestimmtes Gesamtkonzept zur digitalen Medienbildung zu haben und über die reinen Lernziele hinaus alle Bereiche (Technik, Didaktik, Lerninhalte, Lernumfeld) miteinander abzustimmen und zusammen zu denken. So muss die technische Ausstattung den Ansprüchen der Software genügen und umgekehrt – die Software sollte auf das Gerät abgestimmt sein. Zudem muss sich das pädagogische Personal im Umgang mit den Geräten sicher fühlen und möglichst von technischem Support befreit sein. Wichtig ist ein technisches Konzept, das diese Faktoren (Hardware, Software, Personal) zusammen denkt und ineinander verzahnt.

 

Berlin braucht eine funktionsfähige, inhaltlich kontinuierlich bespielte Lernplattform, die Schüler*innen und Lehrkräften zur Verfügung steht. Lehrkräfte brauchen Zeit und Vernetzung, um fachspezifische Curricula für den Einsatz digitaler Medien zu entwickeln. Das Lehrpersonal und andere pädagogischen Kräfte im schulischen Bereich sollten über aktuelle medienpädagogische Kenntnisse und didaktische Fähigkeiten verfügen und souverän entscheiden können, welche Lerninhalte und Lernziele für welchen Einsatz digitaler Medien geeignet sind. Auch das außerschulische soziale Umfeld von Kindern und Jugendlichen hat Einfluss auf ihr Medienverhalten und ihre Fertigkeiten. Deshalb sind digitale Medienbildungsangebote auch außerhalb der Schule, z. B. in der Jugendarbeit, der Elternarbeit, der außerschulischen Bildung, im Internet und sozialen Netzwerken bei einem Gesamtkonzept der digitalen Medienbildung einzubeziehen.

Berlin verfügt über eine breite Trägerlandschaft der Medienbildung. In jedem Bezirk existiert ein Medienkompetenzzentrum. Tatsächlich sind außerschulische Medienbildungsträger konzeptionell oftmals weiter als viele Schulen, da sie qua Auftrag entsprechend spezialisiert sind. Ihr Knowhow wäre also auch für den schulischen Bereich nutzbar. In erster Linie sind sie allerdings für die außerschulische Bildung von Kindern, Jugendlichen und Eltern sowie anderer Bevölkerungsgruppen zuständig. Zudem ist ihre Arbeit durch den Wegfall von ESF- und EFRE-Fördermitteln in der neuen EU-Förderperiode dramatisch gefährdet. Hier bedarf es eines Ausgleichs, um die Erfüllung ihres Auftrags, aber auch ihren innovativen Einfluss nachhaltig zu sichern.
Diese Träger haben sich selbst in der Diskussion um das fachübergreifende Kompetenzfeld Medienbildung im Rahmen der neuen Rahmenlehrpläne als Partner angeboten. Ähnlich wie beim Thema kulturelle Bildung sollte Schule die Kooperation mit außerschulischen Bildungsträgern anbieten und deren Kompetenzen im Bereich digitaler Medien nutzen. Auch die Kooperation mit Unternehmen der digitalen Branche sollten kein Tabu sein. Hierzu sollten allerdings Empfehlungen entwickelt werden, um einer Kommerzialisierung der Schule und Abhängigkeiten insbesondere bezüglich Marktführern zum Vertrieb proprietärer Software vorzubeugen. Zur kontinuierlichen Vernetzung und Erarbeitung gemeinsamer Inhalte von schulischen und außerschulischen Angeboten auch unter Einbeziehung von Schüler*innen und Eltern sollte endlich der lange geforderte Runde Tisch Medienbildung unter Federführung des Senats einberufen werden und regelmäßig tagen.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern:

  • Ein abgestimmtes Gesamtkonzept zur digitalen Medienbildung bezüglich Technik, Didaktik, Lerninhalte, Lernumfeld;
  • die Schaffung einer funktionstüchtigen, sicheren digitalen Lernplattform mit qualitativ hochwertigen, offenen und frei verwendbaren Inhalten (Open Educational Ressources) unter Einbeziehung moderner pädagogischer und fachdidaktischer Konzepte, die barrierefrei zugänglich und leicht bedienbar sein soll;
  • den kontinuierlichen fachlich-didaktischen Austausch von Lehrkräften zum Einsatz digitaler Medien;
  • den Ausbau der Kooperation zwischen Berlin und Brandenburg im Rahmen des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin Brandenburg (LISUM) und des Bildungsservers Berlin Brandenburg auf Basis des neuen gemeinsamen Rahmenlehrplans zur fächerübergreifenden Kompetenzentwicklung im Bereich Medienbildung;
  • die Absicherung der vielfältigen außerschulischen Trägerlandschaft der Medienbildung auch als Partner von Schule und Kita;
  • die regelmäßige Einberufung eines Runden Tisches Medienbildung unter Leitung des Senats.
Der Umgang mit digitalen Medien von Handy, Smartphone, Tablet, Laptop über Internet, Computerspielen bis hin zu sozialen Netzwerken gehört für die meisten Schülerinnen und Schüler heute zu ihrem Alltag, allerdings nicht unbedingt im Unterricht. Mit der Einführung eines Basiscurriculums Medienbildung wird der von Medien – analog und digital – beeinflusste Alltag der Schülerinnen und Schüler aufgegriffen. In allen Fächern und fächerübergreifend und in allen Schuljahrgängen gilt es, diese Alltagserfahrungen aufzugreifen und als dauerhaften, pädagogisch strukturierten Prozess zur Entwicklung von Medienkompetenz zu gestalten und zur Entwicklung neuer individueller und kollaborativer Lernformen zu nutzen. Kreativer Umgang und kritische Auseinandersetzung mit der interessengeprägten Medienwelt und mit den sich rasant entwickelnden Medientechnologien gehören ebenso dazu wie sich den Herausforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit zu stellen.

 

Unsere Vorschläge dazu im Antrag 17/2805:
die Organisation des Austausches unter pädagogischen Kräften zur Erstellung und Weiterentwicklung von fachdidaktischen Konzepten zum Einsatz von digitalen Medien, zur Entwicklung neuer kollaborativer und individueller Lernformen und zu den Herausforderungen im Hinblick auf Datenschutz und IT-Sicherheit;
die konzeptionelle Unterfütterung des inklusiven und geschlechtergerechten Lernens im Rahmen des Unterrichts mit digitalen Medien;
Verstetigung und Absicherung von Best-Practice-Projekten, um nachhaltige Erfolge zu ermöglichen und auszubauen;
Ausbau der Kooperation zwischen Berlin und Brandenburg im Rahmen des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin Brandenburg (LISUM) und des Bildungsservers Berlin Brandenburg auf Basis des neuen gemeinsamen Rahmenlehrplans zur fächerübergreifenden Kompetenzentwicklung im Bereich Medienbildung.

An den Schulen muss ein Fach „Medienkompetenz“ eingeführt werden.
Wir fordern fachkompetente Medienwarte für alle Schulen, die bei der Umsetzung von Projekten an den Schulen beteiligt werden sollen.

 

Die PIRATEN setzen sich dafür ein, die Medienkompetenzen bei Entscheidungsträgern, Lehrkräften und Lernenden zu schaffen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Dazu bedarf es auch Angebote außerhalb der Schule, z.B. in Medienkompetenzzentren.
Außerschulische Partner sind willkommen. Kritisch sehen wir die Zusammenarbeit mit Verlagen und Unternehmen. Hier muss die Abhängigkeit von bestimmer Hard- und Software vermieden werden. Die PIRATEN setzen auf Open Source. Wissen und Programme, die mit öffentlichen Geldern erstellt wurden, müssen unter freien Lizenzen zugänglich seien. Die PIRATEN haben im Abgeordnetenhaus Haushaltsmittel für Open Access im Wissenschaftsbereich durchgesetzt. Ähnliche Programme muss es auch für Lehrmittel geben.

Die Einflussnahme von Unternehmen auf Lerninhalte z.B. über Lernprogramme ist kritisch zu beobachten.

Frage 6
Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um die erforderliche Medienausstattung in allen Schulen sowie den technischen Support und die technisch-didaktisch und medienpädagogisch sinnvolle Anwendung sicherzustellen?

Wir haben einen neuen Rahmenlehrplan, in dem zum ersten Mal Sprach- und Medienbildung sowie übergreifende Themen auf eine curriculare Grundlage gestellt werden. Daneben gibt es den „eEducation Berlin Masterplan“, der zur Ausbreitung der informationstechnischen Bildung beitragen und die Entwicklung von Medienkompetenz bei Lernenden und Lehrenden befördern soll. Das integrierte Konzept des Masterplans aus kostenlosen Angeboten für Fortbildung nach dem Modulkonzept des Masterplans, der Ausstattung mit IT (PCs, Notebooks, Interactive Whiteboards, Peripherie, Standardservern) sowie Vernetzung, und der kostenlosen Bereitstellung und Betreuung von Medienprojekten (Masterplan-Leitprojekten) hat sich bewährt.

Die CDU hat unsere Wahlprüfsteine nicht beantwortet. Schade.

Wichtig ist, dass die IT-Infrastruktur in den Schulen sicher und verlässlich ist. Technische Geräte müssen leicht zu bedienen sein und immer zur Verfügung stehen, ist dies nicht der Fall, sinkt die Akzeptanz des Einsatzes digitaler Medien bei Lehrer*innen und Schüler*innen. Dazu gehört auch, dass ein ausreichender technischer Support für die Geräte gegeben ist, der zumindest dem Support in der Berliner Verwaltung entspricht und dass verlässliche Jugendschutzprogramme installiert sind.
Die Wartung der IT-Infrastruktur ist in die Hände von Unternehmen oder speziellen Angestellten zu legen, nicht in die Hände des pädagogischen Personals, schon gar nicht ehrenamtlich oder „nebenbei“. Was wir brauchen sind IT-Manager*innen für die Schulen. Der Einsatz von Technik ist bei baulichen Veränderungen oder Schulneubauten immer von Anfang an mit zu berücksichtigen.
Eine pragmatische Lösung kann der Ansatz „Bring Your Own Devices“ (BYOD) sein. Hierbei bringen die Schüler*innen ihre außerschulisch benutzten mobilen Endgeräte in die Schule. Für Eltern, die sich eine solche Anschaffung finanziell nicht leisten können, sollten die Schulen einen Grundstock an Geräten vorhalten (auch wichtig bei länger andauernden Ausfällen durch Reparaturen etc.). Generell gilt, dass die Schulen den Eltern die Anschaffung bestimmter Geräte empfehlen sollten, um so gewisse Standards zu setzen (analog wie es bereits bei Taschenrechnern etc. passiert). Für eine erfolgreiche Implementation von BYOD ist zudem ein verlässliches W-LAN in Schulen erforderlich. Alternativ oder ergänzend könnte geprüft werden, inwieweit private Telekommunikationsunternehmen bereit sind, eine Bildungsflatrate während der üblichen Unterrichtszeiten anzubieten. BYOD setzt ein IT-Sicherheitskonzept voraus, denn die Geräte sind privat nicht einheitlich gesichert und könnten Schadsoftware enthalten und verbreiten. Auch sollte sichergestellt sein, dass die Schüler*innen nicht Zugriff auf die privaten Dateien ihrer Mitschüler*innen erhalten. Gemeinsames Lernen könnte auf sicheren Lernplattformen stattfinden. In Hamburg wird gerade in einem Modellprojekt BYOD an sechs Schulen erprobt. Ein solches Modellprojekt ist für Berlin überfällig.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern:

  • die Bestandsaufnahme und eine Zielstellung zur technischen Ausstattung der Schulen bezüglich der Quantität und Qualität für den IT-medienpädagogischen Bereich und zum technischen Support der IT-Endgeräte in Zusammenarbeit mit den Bezirken;
  • eine Zielstellung wie und bis wann allen Berliner Schulen ein leistungsfähiger Breitbandanschluss und ein freies W-LAN zur Verfügung stehen soll;
  • die Erarbeitung von Empfehlungen zum Umgang mit privaten digitalen Geräten (BYOD) im Rahmen der Schule.

Generell bedarf es der Schaffung einer IT-Infrastruktur (Netzanbindung, Vernetzung, Geräteausstattung, Programme, Plattformen, …) auf dem heutigen technischen Standard für das Berliner Schulwesen für das Lernen und Lehren in den Schulen und für die Organisation und Verwaltung des Schulwesens.

Dazu im Antrag 17/2805:

  • die Erstellung einer Bestandsaufnahme und einer Zielstellung zur technischen Ausstattung der Schulen bezüglich der Quantität und Qualität für den IT-medienpädagogischen Bereich und zum technischen Support der IT-Endgeräte in Zusammenarbeit mit den Bezirken;
  • eine Zielstellung darüber, wie und bis wann allen Berliner Schulen ein leistungsfähiger Breitbandanschluss und ein freies WLAN zur Verfügung stehen soll;

Im Wahlprogramm DIE LINKE. Berlin:

  • Zusätzlich zum Ausbau der IT-Infrastruktur auf das erforderliche Maß sind Weiterbildungsangebote für das Lehrpersonal und zusätzliche Stellen für qualifiziertes Personal zu schaffen. Der Zugang zu digitalen Technologien und zum Internet muss unabhängig vom Einkommen und sozialen Hintergrund ermöglicht werden.
  • DIE LINKE setzt sich für ein Bund-Länder-Programm für digitale Bildung ein, das auch ein mobiles Endgerät für jedes Kind als Teil der grundständigen Bildungsausstattung fördert. Wir machen uns stark für selbst bestimmtes Lernen. So sollen die Möglichkeiten, Fortbildungen auch online durchzuführen, ausgebaut werden. Ebenso sollen Volkshochschulen generell Online-Kurse sowie Kurse in digitaler Bildung anbieten.

Der Senat von Berlin sollte ein Digitalisierungprogramm für die Berliner Schulen entwickeln. Hier halten wir eine Größenordnung von mindestens 15 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich als direkte Zuweisung an die Bezirke zur Digitalisierung der Schulen für erforderlich (im Mittel etwa 20.000 Euro / Schule / Jahr), wobei von einer höheren initialen Investition auszugehen ist. Dies kann auch (teilweise) durch Ausbau der Förderung der Medienkompetenzzentren und Medieneinrichtungen in den Bezirken geschehen.
Die Ausstattung mit digitalen Arbeitsmitteln und ein Internetzugang für alle Lernenden ist eine Voraussetzung für den Zugang zur Informations- und Wissensgesellschaft und einer aktiven Teilhabe an dieser.

Die PIRATEN fordern schon seit langem ein offenes WLAN auch an den Schulen. Nach der Änderung der Regeln für die sogenannte „Störerhaftung“ im Telemediengesetz werden sich hoffentlich auch die Schulen auf internationales Niveau begeben.
An den Schulen sind Medienwarte für digitale Medien und Infrastruktur einzustellen.